Vorstellung Kandidat 3: Olaf Götze

Die Probleme im deutschen Hochschulsystem lassen sich auf drei wesentliche Merkmale zusammenfassen. Erstens sind Kinder niedriger sozialer Herkunft an der Hochschule völlig unterrepräsentiert. Obwohl sie in der Bevölkerung fast 50 Prozent ausmachen, sind sie an der Hochschule nur zu 15 Prozent vertreten und in der Universität setzt sich diese Selektion bis zur Promotion und darüber hinaus kontinuierlich fort. Zweitens ist das deutsche Hochschulwesen seit Jahrzehnten hoffnungslos unterfinanziert mit all seinen Folgen für Forschung und Lehre. Und drittens schreitet – unter dem Druck der Unterfinanzierung – die Ökonomisierung des Hochschulwesens in riesigen Schritten voran. Das beginnt bei der Leitungsstruktur nach dem Modell der „unternehmerischen Hochschule“, geht über die Abwicklung sogenannter Orchideenfächer und hört bei der Modularisierung des Studiums und Evaluation jeder Veranstaltung nach ökonomischen Kriterien noch lange nicht auf.

Meine Arbeit in der Hochschulpolitik seit mittlerweile fast zehn Jahren an der Universität Münster zunächst in der Fachschaft und später im AStA und im uFaFo, hat mich in allen Details diese Entwicklungen nachvollziehen lassen. Es ist nun schon länger an der Zeit, dass jüngere Generationen diese Arbeit übernehmen. Die Beobachtung der im vergangenen Jahr gewählten Studierenden im Senat hat bei mir jedoch gezeigt, dass es zum hochschulpolitischen Stillstand kam. Es gab praktisch keine Initiativen, die wesentlichen Probleme im Hochschulwesen anzugehen, ja wurden Initiativen des Studierendenparlamentes sogar abgeblockt. Daher habe ich mich bereit erklärt, für den Senat zu kandidieren und dort Initiativen zur Lösung der wesentlichen Probleme zusammen mit der Bunten Liste einzubringen.

Was können wir tun, um die Situation an den Hochschulen praktisch zu verbessern? Die Hürden sozialer Selektion müssen abgebaut werden. Dazu war die Abschaffung von Studiengebühren ein enorm wichtiger Punkt, für den ich seit vielen Jahren aktiv gekämpft habe. Doch es gibt weitere Hürden. So erhalten Studierende niedriger sozialer Herkunft – ebenso wie Frauen im Übrigen – deutlich seltener eine studentische Hilfskraftstelle an der Universität. Die öffentliche Ausschreibung aller Stellen an der Uni wäre ein wesentlicher Schritt hin zu mehr Transparenz.
Zweitens muss der Unterfinanzierung entgegengewirkt werden. Die Universität Münster muss derzeit Millionen-Nachforderungen an das Land NRW zurückzahlen, weil sie mit Geldern für neue Studienplätze andere Dinge finanziert hat. Ein echter Skandal! Wo waren da unsere Studierenden im Senat? Schon vor Jahren hat die Rektorin Ursula Nelles angekündigt, sie wolle die Lehramtsausbildung – immerhin 10.000 Studierende – auf ein Minimum reduzieren, um sich als Exzellenzuniversität zu profilieren. Die Universität Münster richtet ihr Augenmerk viel zu sehr auf den Exzellenzwettbewerb, um sich in der Konkurrenz mit anderen Hochschulen auf dem Rücken der Studierenden zu battlen, anstatt die grundständige Lehre an der Hochschule zu verbessern und dafür das Geld sinnvoll einzusetzen.
Drittens werden wir im Senat den Kampf der kleinen Fächer – die wie der Fall der Soziologie gezeigt hat, manchmal garnicht so klein sind – für ihren Erhalt aktiv unterstützen. Sie müssen sich behaupten gegen die ökonomischen Kriterien, nach denen die Universität zunehmend ausgerichtet wird. Hier können wir entscheidende Impulse im Senat liefern, das Rad wieder zu wenden und sich als Volluniversität aufzustellen.

Deshalb wählt die Bunte Liste in den Senat! Im Falle meiner Wahl werde ich dieses Amt gemeinsam mit der Bunten Liste gewissenhaft und aktiv ausfüllen.

Olaf Götze, 31 Jahre alt, 2-Fach-Bachelor Physik/Soziologie

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1 Antwort auf „Vorstellung Kandidat 3: Olaf Götze“


  1. 1 Lorenz Raidt 16. Juni 2011 um 22:23 Uhr

    ich mag die langen haare und den ganzen style – olaf ist mein kandidat.

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