Landesregierung NRW attestiert Hochschulen Demokratiedefizit

In einem Brief an die Vorsitzende der LandesrektorInnenkonferenz NRW hat NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) den Hochschulen ein „Demokratiedefizit“ bescheinigt. Nicht nur der Landtag NRW habe quasi keinen Einblick in deren Haushaltsführung, sondern den Hochschulen fehle es auch an Legitimation. „Aus Sicht des Parlaments ist Transparenz nicht gegeben, was sich ändern muss.(…)Wenn wir also die Steuerung der Hochschulen durch das Land präzisieren, bedeutet dies letztlich, dass wir eine offene Legitimationsflanke der Hochschulen schließen. Dies zeigt deutlich, dass das Hochschulfreiheitsgesetz auf halber Strecke stehen geblieben ist: Es führt zu einem Demokratiedefizit der Hochschulen“, schreibt die Ministerin.

Die Bunte Liste, die mit einem Senator (Philosophische Fakultät) im Senat der Uni Münster vertreten ist, gibt der Ministerin recht und macht sechs Reformvorschläge, die, würden sie umgesetzt, die demokratischen Umstände an den Hochschulen verbesserten.

1. Gremien: Hochschulgremien sollten mit allen betroffenen Statusgruppen paritätisch besetzt sein. Die Gruppenmitglieder haben zudem das gleiche Stimmengewicht. Erst, wenn ein Problem nicht von der kleinstmöglichen Einheit gelöst werden kann, ist die nächst größere zuständig.

2. Transparenz: Da Demokratie ohne informationelle Gleichheit und Transparenz nicht existieren kann, ist es die Aufgabe der Verwaltung und der Gremien, ihre Arbeitsprozesse offen darzulegen und Informationen zugänglich zu machen

3. Studienbedingungen: Lehr- und Lernbedinungen und Lehr- und Lernformen sollten immer der Art der Veranstaltung und deren jeweiligen Inhalten angepasst werden und dem langfristigen Lernerfolg untergeordnet sein. Statt passiver Wissensrezeption sollen Studierende vermehrt selbst aktiv werden, um sich Inhalte zu erschließen. So sollen orientierendes, übergreifendes Denken und ein langfristiger Lernerfolg etabliert werden. Im Zentrum seht das Lernen durch (selbst-) Erfahrung an in der Praxis durchgeführten Projektarbeiten. Durch Projekt- und Gruppenarbeiten werden soziale Kompetenzen ausgebildet.

4. Betreuungssituation: Wenn Studierende eigenständig arbeiten sollen, ist dazu eine besonders intensive Betreuung notwendig. Um Studierende wenigstens in Ansätzen individuell betreuen zu können und um die Forschung zu stärken, ist eine deutliche Aufstockung des Personals nötig. Die prekären Beschäftigungsverhältnisse sind, ebenso wie die Abhängigkeit der wissenschaftlichen MitarbeiterInnen von ProfessorInnen, zu beenden.

5. Studienplatzvergabe: Die Hochschule muss allen Menschen, die ein Studium aufnehmen möchten, einen Zugang verschaffen bzw. einen Studienplatz gewähren und es ihnen ermöglichen ihr Studium abzuschließen. Weder die soziale Herkunft, der vorangegangene Bildungsabschluss, der kulturelle Hintergrund, der Zeitpunkt im Leben, noch die finanzielle Situation dürfen dabei Hinderungsgründe sein. Sie muss genügend Plätze für die gewünschten Studiengänge bereitstellen und damit Auswahlverfahren überflüssig machen. Hierfür ist eine bessere Ausgestaltung der öffentlichen Finanzierung notwendig.

6. MentorInnenprogramm: Eine Möglichkeit ein Studium zu verbessern, ist die Einführung von (studentischen) individuellen Mentorinnen und Mentoren. Diese MentorInnen sollen mit den Studierenden zusammen einen individuellen interessengeleiteten Lernzielleitfaden erarbeiten, der helfen soll, das Studium eigenständig und individuell zu gestalten. Diese MentorInnen sollen aus einem höheren Semester kommen und Studierende insbesondere in der Anfangszeit des Studiums unterstützen. Während des Studiums soll die Selbstreflexion über die persönliche Lernentwicklung gestärkt werden. In jedem Fall sollen die MentorInnen oder TutorInnen eine didaktische Ausbildung erhalten.

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