Ex-Senator Rostek zu Rüstungskooperationen zwischen US-Militär und deutschen Hochschulen: „Bund und Länder müssen eingreifen“

Jörg Rostek (Bunte Liste), ehemaliger studentischer Senator der Uni Münster erklärt zur aktuellen Berichterstattung zahlreicher Medien über die Rüstungskooperationen zwischen deutschen Hochschulen und US-Militär und Pentagon:

„Die aufgedeckten Rüstungskooperationen zeigen, dass es Hochschulleitungen gibt, die keine Gelegenheit auslassen, das Vertrauen in sie zu zerrütten. Dass auch Hochschulen mit Zivilklauseln Rüstungsforschung betreiben ist für mich keine Überraschung. Oft haben die Senate und Hochschulleitungen der Hochschulen Zivilklauseln, die von Studierenden in die Gremien eingebracht worden sind, so umformuliert, dass immer ein Hintertürchen für Kooperationen mit dem Militär offen steht. Nur allzu oft haben Senate in Deutschland die von Studierenden geforderte Drittmitteltransparenz abgelehnt – und zwar vor allem mit der Absicht, die Auftraggeberinnen und Auftraggeber zu schützen. Das Geld, das sie einnehmen, ist vielen Hochschulen mehr Wert als die Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit und den Menschen, die ihre Forschungsergebnisse betreffen werden. Die Angst vor der Einstellung der finanziellen Mittel und davor, dass diese an die Konkurrenz fließen, lässt die Hochschulen nicht los und treibt sie in die Arme der Kriegsindustrie. Da die Senate eine eindeutige Professorinnen- und Professorenmehrheit aufweisen, und diese größtenteils nicht wollen, dass man ihnen in die Karten schaut, ist das Problem nur von außen zu lösen. Bund und Länder müssen eingreifen und die Gesetze so ändern, dass es keine Kompromisse und Missverständnisse in Sachen Rüstungs mehr gibt. Das Zeichen muss klar sein: Rüstungsforschung gehört weder an deutsche Hochschulen, noch zur Wissenschaftsfreiheit. Die deutschen Hochschulen sollten für ihre Forschungsergebnisse Verantwortung übernehmen und nicht so tun, als gehe ihnen „die Welt da draußen hinter dem akademischen Vorhang“ nichts an.“

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